taz,
23.11.2006
Oldenburger CDU gegen Flüchtlingslager
Auch in Bramsche-Hesepe streiken Flüchtlinge nun gegen
ihre Lagerunterbringung. Der Oldenburger Stadtrat fordert in einer Resolution
eine Abschaffung der zentralen Unterbringung und des Wertgutscheinsystems
Bewohner der "Zentralen Aufnahmeeinrichtung" (ZAAB) Bramsche-Hesepe
traten am Dienstag einen unbefristeten Boykott des Kantinenessens an. Sie protestieren
mit dem Boykott gegen die zentrale Verpflegung durch die Lagerkantine sowie
die Unterbringung von Flüchtlingen in Lagern. Nach Angaben von Flüchtlingsorganisationen
beteiligen sich derzeit über 100 der rund 150 ständig im Lager anwesenden
Personen an dem Ausstand. Bereits vor zwei Wochen hatten die Flüchtlinge
mit einem eintägigen "Warnstreik" ihre Aktionen angekündigt.
UnterstützerInnen aus Osnabrück und Münster brachten den Streikenden
Lebensmittelspenden.
Der Streik knüpft an die Aktionen im Ausreisezentrum Blankenburg bei Oldenburg
an. Auch dort hatten Flüchtlinge im Oktober wochenlang das Kantinenessen
und ihre Ein-Euro-Jobs boykottiert und so die Lagerverwaltung und die Stadt
Oldenburg gezwungen, sich mit ihren Forderungen auseinander zu setzen. Das Flüchtlingslager
in Bramsche-Hesepe ist eine Außenstelle der Zentralen Aufnahmeeinrichtung
Oldenburg.
Als Reaktion auf den Streik in Blankenburg hatte der für Oldenburg und
Bramsche zuständige Lagerleiter Christian Lüttgau angekündigt,
einen runden Tisch einzusetzen, an dem die Streikforderungen erörtert werden
sollten. Eine erstes Zusammentreffen Anfang November blieb ergebnislos, weil
die streikenden Flüchtlinge sich nicht ausreichend repräsentiert gefühlt
hatten. Anfang der Woche lud Lüttgau nun mit einem mehrsprachigen Aushang
die Bewohner des Lagers, die "konstruktiv an einer Problemlösung mitarbeiten
wollen", zu einer neuen Runde ein - allerdings nur nach schriftlicher Voranmeldung.
Am vergangenen Dienstag beschloss der Oldenburger Stadtrat einstimmig eine
Resolution, in der die niedersächsische Landesregierung aufgefordert wird,
die Kritikpunkte der Flüchtlinge "ernsthaft und intensiv" zu
prüfen. Vor allem müsse die zentrale Unterbringung von Flüchtlingen
in Lagern "überdacht" werden, heißt es in der Resolution.
Der Stadtrat sprach sich zudem für eine Abschaffung des "bürokratischen"
Wertgutscheinsystems für Flüchtlinge aus. Das Stadtparlament griff
damit zwei seit Jahren erhobene, zentrale Forderungen von Flüchtlingsorganisationen
auf. Die mit 13 Sitzen im Rat vertretene Oldenburger CDU geht mit dem Beschluss
auf Konfrontationskurs mit Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann
(CDU). Dieser hatte sowohl die Lagerunterbringung als auch das Gutscheinsystem
in der Vergangenheit immer wieder verteidigt.
CHRISTIAN JAKOB